Schon in
den siebziger Jahren reiste ich in dieses Land –
damals noch inmitten der politischen Unruhen, die diesen
Bereich der 'gruenen Insel' immer wieder auseinanderrissen.
Seit 1984 lebe ich hier – und habe in der ersten
Dekade auch immer wieder politische Probleme miterlebt.
Seit fast 10 Jahren haben wir jetzt
Ruhe: Waffenstillstaende erst, dann Friedensvertraege.
Nun hat die IRA alle Waffen nachweislich zerstoert,
und auch die Loyalisten sind am verhandeln, desgleichen
zu tun. Sie haben ja immer behauptet, nur wegen der
'Verteidigung' gegen die IRA zu existieren. Dennoch
waren es die loyalistischen Gruppen, die in den letzten
Jahren vor den Waffenstillstaenden, die meisten Zivilisten
getoetet haben – ein Grund mehr damals fuer Republikaner,
die ein vereintes Irland erwuenschen, ihre Verfahrensweise
zu aendern.
Nun sind die Truppen von den Strassen
verschwunden, Polizei wie auch Armee nicht anders sichtbar
als in anderen Laendern auch. Was hier anders ist, als
in anderen so schoenen Lanedern, ist aber dass es kaum
Touristen gibt – jedenfalls bisher noch nicht.
Die ersten Kreuzschiffe kommen zwar im Sommer; dieses
Jahr haben 17 von ihnen hier angelegt, doch einen 'Massentourismus'
kann man/frau das wirklich noch nicht nennen. Die Passagiere
kommen fuer eine Stadtrundfahrt, fahren einen Tag der
Kuestenstrasse von Antrim nach, oder besuchen das Ulster
Folk und Transport Museum. Doch anders als in der Republik
Irland sind hier Touristen im taeglichen Leben kaum
sichtbar.
Dabei ist Nordirland wunderschoen,
und eine derart abwechslungsreiche Landschaft ist wirklich
selten. Dazu kommen viele pre-historisch wichtige Staetten
wie Dolmen oder Ringforts, ungewoehnliche Felsklippen,
lange, saubere Straende, gruene Wiesen voller Abergeen
Angus Rinder oder Black Head Schafen, seltene Fossilien
und ungewoehnliche Voegel. Fuer denjenigen der sich
einen aktiven Urlaub wuenscht gibt es viel Auswahl:
Wandern, Radfahren, Golf spielen, Schwimmen, Felsen
klettern, Tauchen (incl. Tauchkurse), Segeln, Motorboot
fahren, Ruderurlaub, oder auch musizieren oder malen
lernen - es gibt wirklich ein riesiges Angebot. Aber
was mir am Besten gefaellt sind die Festivals in Belfast
und Umgebung: das West Belfast Festival Anfang August;
das Belfast Film Festival im September; the Festival
at Queen's University Anfang November. Dann gibt es
viele, kleinere sogenannte 'community festivals' die
sich ueber's ganze Jahr erstrecken, eigentlich ist hier
immer etwas los was Kultur und Kunst angeht –
dafure sorgen schon die 36 Kunstgallerien, die Belfast
allein vorzuzeigen hat!
Und fuer die (wirklich viel seltener als erwarteten) Regentage,
da gibt's hier ein preisgekroentes interaktives Entdeckungszentrum
in der Odyssee Arena im Hafengebiet in Belfast. Dieses
Zentrum hat wirklich fuer jede Altersgruppe etwas, von
Wasserspielen ueber Sand und Spiegeln bis zum Soundherstellen
(beim Treppensteigen schon!) und Computerdesign oder zur
Filmproduktion – etwas fuer alle: schaut mal unter
www.w5online.co.uk.
Und um Touristen bemueht man/frau sich hier noch richtig:
viele Materialien gibt es kostenlos, inklusive der Landkarten
und Informationskalender. Auch hat das Belfaster Fremdenverkehrsamt
ein Buero eingerichtet, was meiner Meinung nach keinem
Informationsbuero der Welt nachsteht: www.gotobelfast.com.
Und wer lieber eine private Fuehrung arrangieren moechte,
der kann sich von den vielen qualifizierten Fuehrern hier
einen 'Blue Badge Guide' heraussuchen: www.bluebadgeireland.com.
Es ist schon ironisch, aber wer wirklich
Ruhe geniessen und 'die Seele baumeln' lassen moechte,
der ist nirgendwo besser aufgehoben, als hier in Nordirland!
Ich wuensche einen erholsamen Urlaub!!
Anna Eggert
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