Von
Carvoeiro zum Praia da Marinha- eine Klippenwanderung
an der Felsalgarve mit atemberaubenden Ausblicken auf
bizarre Felsen und einsame Strandbuchten.
Ausgangspunkt für unsere Wanderung ist der Hauptstrand
von Carvoeiro.
Wir wandern auf den Klippen entlang der Felsküste
in östliche Richtung. Unser Ziel ist der "Praia
da Marinha" - manche behaupten, er sei einer der
schönsten Stände der Welt- mit Sicherheit
ist er einer der schönsten Strände Europas`.
Obwohl die Entfernung nicht allzu gross ist, vielleicht
6 oder 7 km, kann das Laufen für Ungeübte
schon etwas anstrengend sein. Der Untergrund ist felsig,
mit lockerem Gestein und der Weg führt fast ständig
bergan oder bergab. Dafür wird der Wanderer aber
mit einmaligen Ausblicken belohnt. Natürlich ist
das Frühjahr oder der Herbst ideal für diesen
Ausflug, im Sommer sollte man allerdings die Mittagsstunde
meiden und schon gegen 8 oder 9 Uhr starten.
Der heutige Apriltag ist wie geschaffen für eine
Wanderung. Südwind bringt milde Luft vom Atlantik,
der Himmel ist wolkenlos und von einem reinem, klarem
Blau. Der Strand von Carvoeiro wird von beiden Seiten
von Kalkfelsen begrenzt,auf denen weiss getünchte
Häuser die intensive portugiessiche Sonne widerspiegeln.
Wir beginnen unsere Wanderung und erklimmen als erstes
den östlichen, ca. 30m hohen Hang. Ein Weg führt
uns hinauf und auf dem Plateau angekommen, überblicken
wir die gesamte Bucht und die bebauten Hügel dahinter.
Am feisandigem Strand tummeln sich einige Badegäste
und Fischer stehen etwas abseits bei ihren kleinen und
buntbemalten Booten und ordnen ihre Netze. Wir verweilen
einen Augenblick und geniessen das Panorama. An einem
klaren Tag wie diesem kann man weit die Küste entlang
sehen. In der Ferne erscheint Lagos, die Stadt "Heinrichs
des Seefahrers". Davor leuchtet als schmaler heller
Streifen der Strand "Meia Praia". Er ist einige
Kilometer lang und an manchen Stellen hundert und mehr
Meter breit. Im feinen Sandstrand des Meia Praia kann
man die schönsten und grössten Muscheln findet.
Besonders nach stürmischen Tagen hat man schnell
einen ganzen Rucksack voll Atlantikmuscheln zusammen.
Friedlich liegt der Atlantik vor uns und man vermutet
nicht, dass in diesem Areal hunderte von Schiffswracks
im Sand und Schlick begraben liegen. Seit der Römerzeit
wurde die Algarve besiedelt und gerade vor diesem Küstenabschnitt
um Lagos, Portimao bis nach Albufeira kam es in den
Jahrhunderten vor uns zu manch einer Seeschlacht oder
Piratenübefall. Die Unterwasserarchäologen
von Heute werden wohl noch einige iteressante Entdeckung
machen können... Weiter geht es die Klippen entlang.
Nach einigen Minuten erreichen wir die bizzaren Felsen
des "Escardinhas". In den Fels gehauene Treppen
führen uns hinunter bis knapp ans Meer. Fast wie
eine Theaterkulisse wirkt dieser Abschnitt der Küste.
Bögen aus Fels sind in den Jahrhunderten ausgewaschen
worden und geben den Blick durch das Gestein frei auf
den Atlantik. Unterschiedliche Plateaus bieten immer
wieder verschiedene Blickwinkel auf die Küste.
Treppen und kleine Gänge sind in das Gestein getrieben.
Wir gehen hinunter, dorthin wo das Gestein das Meer
berührt. Tiefe Wellen brechen sich in regelmässiger
Folge an den Klippen, grollend dringen Sie in Spalten
und Ritzen ein und pfeifend und surrend entweicht die
Luft aus kleinen Grotten und Höhlen unter uns.
Die Luft ist salzig und es tut gut, die Aerosole tief
einzuatmen.
Nach diesem Schauspiel geht es wieder bergauf, weiter
ostwärts die Klippen entlang. Die Vegetation besteht
aus Buschwerk, welches kreisrund in Höhen von 1
oder 2m aus dem Gestein wächst. Ab und zu hat sich
eine Zwergpalme eine geschützte Stelle gesucht
und hier und da sind gelbe und rote Mittagsblumen mit
ihren schönen, farbigen Blüten zu sehen.
Wir biegen für eine kurzes Stück auf eine
asphaltierte Strasse. An deren Ende führen uns
breite Treppen hinab zu dem sehr bekannten Küstenabschnitt
"Algar Seco". Wieder sind wir mitten in einer
kulissenhaft erscheinenden Landschaft aus ausgewaschenen
Kalkfelsen, Grotten und Palteaus. Die Farbe des Gesteins
ist hier noch intensiver als einige Minuten zuvor beim
"Escardinhas". Vom hellen sandgelb über
tiefe ockertöne bis hin zu einem kräftigen
rotbraun reicht die Farbpallette. Als hätte ein
überdimensionaler Maler aus dem Vollen geschöpft.
Mitten im "Algar Seco" setzen wir uns in ein
kleines und gemütliches Restaurant. Übrigens
das Einzige hier weit und breit, das sich mitten im
Felsgestein befindet. Bei einer "Bica" , einen
portugiesischem Esspresso, stärken wir uns und
sehen anderen Wanderen und Ausflüglern zu, die
staunend und gut gelaunt die Kulisse des "Algar
Seco" für sich entdecken.
Der Weg führt uns nun wieder bergan. Wir erreichen
ein kleines Tal, in dass das grösste Hotel Carvoeiros,
das 4 * Hotel "Tivoli Almansor", gebaut ist.
Eine kleine Badebucht lockt einige Hotelurlauber ins
Wasser und wir gehen weiter auf den Klippen in Richtung
"Centianes"-Strand. Am grössten Strand
von Carvoeiro geniesen wir den Ausblick auf die friedliche
Strandidylle und das türkise, weiter draussen tiefblaue
Wasser des Atlantik.
Die nächste Station unserer Wanderung ist der
Leuchtturm "Alfanzina". Um den Leuchtturm
mit seinen eingezäunten Wärterhäuschen
führt uns der Weg vorbei an einem 20, 30 m tiefen
und ebenso breiten Loch im Fels. In der Tiefe des Lochs,
dessen Grund man nur sehen kann, wenn man sich verbotenerweise
über die hölzerne Absperrung begibt, brechen
sich die Atlantikwelle und tragen Stück für
Stück das Gestein ab. Wir halten uns mit Respekt
in gebührlichem Abstand zum Rande des Lochs. Über
uns kreischen einige Möwen erst ein wenig, dann
immer lauter. Wer weiss, was sie erschreckt hat oder
ob sie einen Fischschwarm vor der Küste ausgemacht
haben. Die portugiesischen Möwen sind im allgemeinen
deutlich grösser als die Exemplare, die man von
der Nord,- oder Ostsee her kennt. Kommt man ihnen näher,
dann sieht man deutlich auch ihre grossen , manchmal
5-7 cm langen Schnäbel. Erfreulicherweise sind
es ja friedliche und harmlose Tiere, wenn Sie nicht
grad ihre Exkremente auf ahnungslose Wanderer oder Sonnenanbeter
fallen lassen...
Nun gehen wir den Weg weiter in Richtung "Praia
do Marinha" . Zu unserer Linken erstreckt sich
jetzt die noble Villenanlage des "Algarve Club
Atlantico".> Traumhafte Häuser inmitten
gepflegter Gärten, so manch ein Prominenter, auch
aus deutschen Landen, hat sich hier seinen Traum vom
"Haus im Süden" erfüllt. Über
den kleinen Ort "Benagil" mit seinem schönen
Sandstrand erreichen wir durch einen Pinienwald den
"Praia do Marinha". Von oben aus können
wir das Strandszenario überblicken. Vorgelagerte
steile Felsnadeln werden vom glasklaren Atlantik umspült
und zeichnen zusammen mit überdimensionalen Bögen
aus Kalkgestein eine malerische Silhouette. Wir lassen
den Tag an diesen Traumstrand ausklingen, stürzen
uns in den erfrischenden Atlantik und wissen, dass wir
den Rückweg bequem mit dem Bus antreten werden,
der oberhalb des Strandes hält.
Mario Lawall April 2005
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